Unabhängig Wohnen dank smarten Technologien

Das Smart Home – auch technikunterstütztes Wohnen genannt –, vereinfacht den Alltag. Werden diese modernen Technologien mit Notrufsystemen und Dienstleistungen kombiniert, wird daraus AAL-«Active & Assisted Living». Das Konzept ermöglicht Menschen länger in den eigenen vier Wänden zu leben und ihren Alltag autonom zu gestalten.
  • Zuhause

Das Licht in der Terrassenwohnung geht automatisch an, Staubsauger und Waschmaschine werden über eine App gesteuert und der Kühlschrank bestellt Verbrauchtes selbstständig nach. Smart Home oder technikunterstütztes Wohnen genannt, vereinfacht Abläufe und kann aus ökologischer Sicht Sinn machen. Technikaffine Tüftler rüsten ihr Zuhause mit den neusten Gadgets auf.

Das macht Wohnen bequem, spart potentiell Strom und Wasser ein und ist praktisch. Ein Beispiel: Richtet man Kameras ein, um aus der Ferne nach dem Rechten zu sehen, ist dies im Bedarfsfall auch für Angehörige oder Notrufdienstleister möglich.

So werden aus modernen Technologien fliessend Systeme, die es Menschen erleichtern, lange autonom zuhause zu leben. Aktuell wird in diesem Bereich intensiv geforscht.

Ulrich Otto, welche technischen Finessen soll ich heute schon einbauen?

Die Auswahl an Hilfsmitteln ist fast unüberschaubar gross – genau das ist die Herausforderung. Denn sie sind genau dann gut, wenn sie optimal zum Menschen passen.

In Ihr eigenes Heim einbauen? Auf Vorrat gar nichts. Viel wichtiger ist, dass die ganze Wohnsituation so «robust» wie möglich ist: Damit meine ich, barrierefrei, mobilitätsfördernd, gut eingebunden in soziale Nachbarschaften. So flexibel, dass Wohnen in allen Lebenslagen möglich wird. All das macht «independent living», also autonomes Wohnen, möglich. Technik sollte im Bedarfsfall darauf aufbauen.

Wagen wir einen Blick in die Glaskugel: Was wird sich in Zukunft verändern?

Ein riesiger Vorteil gegenüber früher ist, Technik wird immer leichter nachrüstbar. Das heisst, es braucht meist keine aufwendigen Leitungsverlegungen usw. Wenn sie also nötig wird, ist sie schnell organisiert. Das wichtigste ist, dass die Technik optimal auf die Lebenslage passt. Und vor allem, dass ich sie wirklich will und akzeptiere, mich mit ihr vertraut fühle und nicht ausgeliefert. Je unauffälliger sich – für mich und von aussen – technische Hilfen meinem Leben anschmiegen, umso besser.

Sie möchten sich vorbereiten? Hier mein Tipp. Investieren Sie in Beziehungen und gute Bande in der Nachbarschaft. Falls Sie einen Umzug ins Auge fassen, achten Sie auf Barrierefreiheit, also z.B. einen Lift und eine gut angebundene Lage. Oder überlegen Sie sich, ob ein Generationen-Wohnprojekt eine Option sein könnte.

Mögliches Einsatzgebiet von unterstützender Technik im Alltag

  • Beschaffung von Medikamenten
  • Automatisches Rufen eines Arztes über Notfallsysteme
  • Organisieren von Einkäufen
  • Linderung des Gefühls von sozialer Isolation durch telefonische (oder Video) Verbindung mit Pflegenden oder Familie

Meine Tipps für unabhängiges Wohnen

  • Eines der inspirierendsten Schweizer Projekte finde ich die Giesserei in Winterthur. Ein echtes Generationenhaus mit ganz viel Potenzial für «robustes Wohnen» – nicht nur baulich, sondern auch vom Potenzial der gesamten Hausgemeinschaft. Auf solchen Grundlagen kann dann assistive Technik zusätzlich optimal zur Geltung kommen – im Bedarfsfall.
  • Ein wahrer Inspirationspool ist die Age Stiftung, mit ihren ganz vielen gut aufbereiteten Projektbeispielen im Web. (Anm.d.Red.: Den Link zu Age Stiftung finden Sie unter «Weiterlesen».)

            Ulrich Otto
Ulrich Otto
Forschungsleiter
Prof. Dr. Ulrich Otto, 57, begleitet innovationsorientierte, interdisziplinäre Projekte im In- und Ausland. Er ist begeisterter Mountainbiker und Hüttenwanderer. In seinem Wohnort Tübingen entwickelt er aktuell ehrenamtlich eine Pflege-WG, die sich ein Haus mit geflüchteten Familien teilen wird.